Die Kronensicherung

08.04.2003

Die Kronensicherung

Kronensicherungen dienen zur Stabilisierung der Krone und sollen das Herausbrechen oder das Herabstürzen von Kronenteilen vermeiden. Oft soll auf diesem Wege die Verkehrssicherheit von bruchgefährdeten Kronen wieder hergestellt werden.

Die 100%-ige Verkehrssicherung kann aber auch nicht mit Kronensicherungen erreicht werden, da der gesamte Baum nie als 100%-ig sicher angesehen werden kann.

Dazu werden Äste oder Stammteile miteinander verbunden. Die Kronensicherung geht oft mit Kronen- oder Entlastungsschnitten einher. Dabei sind die Schnittgesetze sowie die Reaktionen der Bäume zu berücksichtigen.

Es wird in verschiedene Kronensicherungssysteme unterschieden.

1. nicht verletzungsfrei einbaubare Systeme

Hierbei werden oder wurden die lastaufnehmenden Stamm- oder Kronenteile durchbohrt. An den installierten Gewindestangen wurden dann die Seile, zumeist Stahlseile fixiert.

Durch das Bohren wurde der Holzkörper derart verletzt, so dass die Besiedlung mit holzabbauenden Pilzen und der Abbau des Holzes die unmittelbare Folge war. Solche Systeme zur Kronensicherung entsprechen nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik und werden deshalb kaum noch eingebaut.

Eine Ausnahme bildet hier die Kronenverankerung zur Sicherung von aufgerissenen Zwieseln.

2. verletzungsfrei einbaubare System

Hierzu gehören Sicherungen aus Stahl-, Kunststoffseilen und Gurtbändern. Diese werden heutzutage vielfach eingebaut. Erfahrungen mit Materialien aus Kunststoff gibt es erst seit ca. 10 Jahren. Die Entwicklung auf diesem Gebiet ist noch nicht zu Ende. Die Festigkeit der Materialien wird ständig verbessert.

Untersuchungen des Forschungszentrums Karlsruhe haben gezeigt, dass die von den Herstellern zugesagte und überprüfte Bruchkraft der Systeme Cobra plus, Crown Tex, Gefa-System und Stahlseilen meist übereinstimmt oder geringfügig haltbarer sind. In diesen Versuchen sind fabrikneue Materialien getestet worden. Langfristige Versuche haben gezeigt, dass die Tragfähigkeit innerhalb von 5 Jahren um ca. 10 % abnimmt.

2.1. Stahlseile werden meist an um den Stamm gelegte Gurtbänder fixiert. Beim Einbau sind u.a. die DIN-Vorschriften 1142 für die Montage mit Seilklemmen, 3060 und 3066 für die Seilstärken, zu berücksichtigen. Die Enden der Seile werden meist mit 3, besser jedoch mit 4 Seilklemmen montiert. Es kommen üblicherweise Drahtseile mit 8 und 10 mm Durchmesser zur Anwendung.

Da Drahtseile keine Dehnung besitzen, ist beim Einbau darauf zu achten, dass bei einem lockeren Einbau ausreichend Schwingungsweg vorhanden ist. Sonst kann es bei einem plötzlichen und ruckartigen Straffen der Seile im Sturm zum Bruch von Kronenteilen kommen.

Dem kann durch den Einbau von Feder-Ruckdämpfern abgeholfen werden.

2.2. Polyprophylen-Hohlseil des cobra-Systems der Firma pbs.

Das System cobra besteht aus einem PP-Hohltau ( Polypropylen-Monofil) in das ein Ruckdämpfer eingebaut wird. Dann werden die Enden mit Hilfe von Spreizbändern und Scheuerschutz um den Stamm montiert. Die Enden werden mit einer Kappe verschweißt und im Tau eingefädelt. Dieses System hat sich bewährt. Zur Auswahl stehen hier das cobra System für 2 to und das cobra plus System für 4 to Bruchlast.

Bei den durchgeführten Versuchen rissen die Taue immer am Ende des Ruckdämpfers. Durch die Verwendung des Ruckdämpfers verringerte sich die Tragfähigkeit des Systems um etwa 20%, unter die Herstellerangaben für die Hohltaue.

Die Firma pbs gibt an, dass cobra standart mit 2 to für einen Stämmlingsdurchmesser bis 50 cm, gemessen an der Stämmlingsbasis, und einer Einbauhöhe zum Stämmlingsdurchmesser von 20:1 geeignet ist.

Cobra-plus hingegen ist für Stämmlinge mit einem Durchmesser von 50-70 cm an der Basis gemessen und dem 20:1 Verhältnis (Stämmlingsdurchmesser zu Einbauhöhe) geeignet.

2.3. Das GEFA-System besteht aus einem Polyamid - Hohltau und Polyester-Gurten. Dabei werden die Gurte um die Stämme gelegt und fixiert. Das Hohltau wird durch die Gurtlaschen gefädelt und im Tau verarbeitet. Das Hohltau hat die Fähigkeit sich linear zu dehnen. Zur Auswahl stehen Hohltaue mit 5 % und 20 % Dehnfähigkeit. Mit diesem System können Materialien mit 2, 4 und 7 to Bruchsicherheit eingebaut werden.

Bei den Versuchen versagten hier zuerst die farbigen Kernfäden in den Hohltauen.

Die Firma GEFA Produkte Fabritz GmbH gibt keinerlei Angaben zur Dimensionierung am Baum. Sie verweist dabei auf die Einbauanleitung und die einschlägigen Bestimmungen, ohne dabei nähere Angaben zu machen. Sie geben ferner an, dass die Produkte der ZTV-Baumpflege entsprechen.

Die Erfahrungswerte in der aktuellen ZTV-Baumpflege von 2001 haben unter Fachleuten zu Diskussionen geführt.

Folgende Bruchlasten werden angegeben:

Durchmesser Länge des Stämmlings / Astes Mindestbruchlast

gemessen oberhalb

in Befestigungshöhe der Befestigung

bis 20 cm --- 1,0 to

20-30 cm --- 1,5 to

30-50 cm bis 5 m 2,0 to

30-50 cm über 5 m 3,0 to

50-90 cm bis 10 m 3,0 to

50-90 cm über 10 m 4,0 to

Es wird darauf hingewiesen, dass bei Dauerlasten die Bruchlasten um 50% zu erhöhen sind.

Ferner gelten diese Mindestbruchlasten nicht für Sicherungen die Kronenteile auffangen sollen, also Auffangsicherungen. Im Textteil aber wird als ein Ziel der Kronensicherung genannt, das Herabstützen der Kronenteile zu verhindern.

In diesem Falle lässt die neue ZTV-Baumpflege also die Anwender im Stich.

Es ist eine Tatsache, dass sich die Lasten bei einem freien Fall mit dem Sturzfaktor 2 verdoppeln.

Bei Auffangsicherungen sollte also möglichst viel Sicherheitspotential mit berücksichtigt werden.

Im Zweifelsfalle kann man sich nach den Herstellerangaben der Firma pbs richten.

Die Einbauhöhe für Kronensicherungen muss im oberen Drittel des zu sichernde Stämmlings vorgenommen werden.

Die Taue müssen leicht hängend eingebaut werden, damit sich die Stämme immer noch bewegen können. Solch eine Absicherung darf nie statisch sein. Der Baum hat so immer noch die Möglichkeit dort neues Gewebe anzubauen, wo Spannungen auftreten (Kompensationswachstum). Somit wird die Bruchsicherheit erhöht, bzw. die Abnahme der Bruchsicherheit verlangsamt.

Werden die Sicherungen statisch eingebaut, so setzt ein Dickenwachstum der Stämmlinge über der Einbaustelle sowie ein weiteres Höhenwachstum ein. Der Baum geht von einer scheinbaren Sicherheit aus.

Auffangsicherungen sollten hingegen möglichst steil eingebaut werden, um so den Weg des Fallens zu reduzieren. Eine Kombination aus Kronensicherung, Auffangsicherung und möglichen Schnittmaßnahmen, Entlastungsschnitt ist hierbei zu prüfen.

Ferner ist es anzuraten, die Kronensicherung alle 5 Jahre zu kontrollieren.

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